Strahlentherapien > Therapie gutartiger Erkrankungen

Das breite Behandlungsspektrum der Strahlentherapie.

Die positiv wirkende, schmerzlindernde, entzündungshemmende und antiproliferative (= gegen Gewebevermehrung gerichtete) Wirkung einer Strahlenbehandlung bei gutartigen Erkrankungen ist vielen Menschen nicht bekannt. Immer noch wird die Strahlentherapie meist nur mit Krebserkrankungen in Zusammenhang gebracht.

Dabei lagen die allerersten Anfänge der Strahlentherapie tatsächlich zunächst in der Behandlung gutartiger Erkrankungen. Dies zeigt ein Artikel des Arztes Leopold Freund vom 6. März 1897 in der Wiener Medizinischen Wochenschrift: Unter dem Titel "Ein mit Röntgen-Strahlen behandelter Fall von Naevus pigmentosus piliferus" berichtet er über die Behandlung an einem fünfjährigen Mädchen mit ausgedehntem Tierfellnävus (große, behaarte Hautfläche).

 

Heute wird die Strahlentherapie regelmäßig zur Behandlung gutartiger Erkrankungen eingesetzt.

Gründliche Indikationsstellung

In einem ausführlichen Aufklärungsgespräch wird zunächst geklärt, ob eine Bestrahlung sinnvoll ist. Auch wenn die Strahlenbelastung dabei sehr gering ist, muss bei der Behandlung gutartiger Erkrankungen Nutzen und Risiko sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Bei Menschen unter 50 Jahren müssen starke Beschwerden vorliegen und alle weiteren konservativen Behandlungsmethoden bereits ausgeschöpft sein, bevor eine Strahlenbehandlung in Betracht gezogen werden sollte. Das Aufklärungsgespräch beinhaltet auch die Information über mögliche, aber sehr selten auftretende Nebenwirkungen oder Risiken.

Röntgen-Aufnahme eines Fersensporns (siehe Pfeil)

Die antientzündliche Behandlung 

Die seit langem bekannte anti-inflammatorische Wirkung niedrig dosierter Strahlentherapie beruht auf der Veränderung wesentlicher entzündungsrelevanter Mechanismen des Immunsystems. Auslöser dieser Entzündungen können vermehrte körperliche Belastung, degenerative Prozesse oder auch chemischer oder infektiöser Natur sein.

Wir behandeln z.B.

  • Tennisarm

  • Fersensporn

  • Arthrosen der kleinen Gelenke (v.a. der Hände)

  • Hüftarthrose

  • Kniearthrose

  • das sog. Schultersyndrom

Zur Vorbereitung der Bestrahlung wird auf Basis von Messaufnahmen des zu behandelnden Gelenks ein individueller Plan für den betreffenden Patienten erstellt. Bei schmerzenden Gelenken wird eine niedrigdosierte Strahlenbehandlung, in der Regel zwei bis dreimal pro Woche mit 0,5 Gy -3,0 Gy Gesamtdosis angewendet. Die schmerzlindernde Wirkung gegen die vorherrschende Gelenkentzündung tritt meist nach ca. 6-8 Wochen ein.

Bestrahlungsfeld für einen Fersensporn nach Plan

Die antiproliferative Behandlung gegen Gewebevermehrung Morbus Dupuytren

Im frühen Stadium der Knotenbildung kann beim Morbus Dupuytren durch eine Strahlenbehandlung der betroffenen Partien der Handinnenfläche die weitere überschießende Wucherung von Bindegewebe im Bereich der Fingersehnen gestoppt werden. Die Strahlentherapie wirkt hier also antiproliferativ. Dadurch kann eine Verkürzung der Fingersehnen, die nur noch operativ behandelt werden könnte, verhindert werden. Ziel der Behandlung ist die Verhinderung der Krümmung der Fingersehnen und damit die Verhinderung einer Operation.

Zur Vorbereitung der Bestrahlung wird nach  Einzeichnen der Knoten (siehe Abbildung: schwarze Linien) und Ausmessen der Feldgröße (blaue durchgezogene Hilfslinien und gestrichelte Linien) eine individuelle Bestrahlungsschablone in einer Spezialwerkstatt gegossen und ein individueller Plan für den betroffenen Patienten berechnet.

Die Strahlenbehandlung erfolgt in zwei Serien, jeweils fünf mal in der Woche mit 3,0 Gy bis 15 Gy Einzeldosis, die zweite Serie wird nach 12 Wochen Pause gegeben.

Morbus Ledderhose 

Der Morbus Ledderhose ist eine dem Morbus Dupuytren sehr ähnliche Erkrankung, tritt aber an der Fußsohle, v.a. im Bereich des großen Zehs und des 2. und 3. Fußzehens, auf. Dabei ist das Beschwerdebild weniger von einer Zehenbeugung als eher durch starke Druckschmerzen beim Gehen geprägt. Operative Verfahren führen hier meist zu keinem befriedigenden Ergebnis.

Nach aktueller Datenlage kann zur Strahlenbehandlung des M. Ledderhose das gleiche Behandlungskonzept wie für den M. Dupuytren angewendet werden (s.o.).

Ziel der Behandlung ist der Rückgang der Knotenbildung und der Schmerzen, sodass eine Operation nicht notwendig wird.

Ossifikationsprophylaxe

Nach Unfällen mit Verletzungen im Bereich des Hüftgelenks oder nach Implantation eines künstlichen Hüftgelenks kann es in Abhängigkeit des individuellen Risikoprofils zur überschießenden Bildung von Knochengewebe kommen. Führt diese externe  Knochenbildung (=Ossifikation) zu Bewegungseinschränkung und Schmerzen der betroffenen Hüfte muss eine Operation erfolgen. Deshalb soll eine vorbeugende Behandlung die erneute Bildung überschießenden Knochengewebes verhindern. Dies kann entweder durch den Einsatz von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) oder einer einmaligen Strahlentherapie erzielt werden.

Die Indikation zur Ossifikationsprophylaxe durch Strahlentherapie wird in enger Zusammenarbeit mit dem Endoprothetikzentrum des Diakonie-Klinikums wird die Indikation zur Ossifikationsprophylaxe durch Strahlentherapie gestellt.

Am Tag vor der OP erfolgt ein Aufklärungsgespräch über Nutzen und Risiko, Ablauf und mögliche Nebenwirkungen der Behandlung. Im Anschluss wird zur Vorbereitung der Bestrahlung eine Messaufnahme des zu behandelnden Gelenks angefertigt. Ein individueller Plan für den betroffenen Patienten wird erstellt. 

Die Strahlenbehandlung erfolgt am Operationstag, in der Regel vor der OP mit 1 x 7,0 Gy Gesamtdosis.

Keloid- (= Narben-) Bestrahlung

Überschießende Narbenbildung (= Keloid) kann ein kosmetisches, psychisch stark belastendes Problem sein. Ist die Keloidbildung rein operativ nicht zufriedenstellend zu beheben und ist dann eine erneute Operation zur Entfernung des Keloids geplant, kann die Narbenregion nach möglichst kompletter Entfernung der alten Narbe bestrahlt und so eine erneute Keloidbildung verhindert werden. 

Die Strahlenbehandlung mit 3 x 4,0 Gy bis 12,0 Gy Gesamtdosis beginnt innerhalb 24 Stunden nach der OP und wird dann an den beiden darauf folgenden Tagen fortgesetzt.

Endokrine Orbithopathie

Die endokrine Orbitopathie ist eine Autoimmunerkrankung, die mit Schilddrüsenerkrankungen in Zusammenhang steht und die Augenmuskulatur betrifft. Das typische Bild der hervortretenden Augäpfel (Exophthalmus) kann zu einem ästhetisch-kosmetisch bedingten hohen Leidensdruck der Betroffenen führen. Doppelbildersehen bis hin zur Quetschung der Sehnerven sind weitere, schwerwiegende Folgen dieses Krankheitsbildes.

Sind alle medikamentösen, konservativen Maßnahmen ausgeschöpft, sollte vor einer Operation die Möglichkeit einer Strahlentherapie der sogenannten Orbitatrichter geprüft werden.

In einem individuellen Aufklärungsgespräch wird in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Endokrinologen und dem Schilddrüsenzentrum des Diakonie-Klinikums geprüft, ob eine Strahlenbehandlung notwendig ist und die Abläufe sowie mögliche Nebenwirkungen und Risiken erläutert.

Zur Abschätzung der entzündlichen Aktivität sollte eine Kernspinuntersuchung durchgeführt werden.

In einer vorbereitenden CT-Untersuchung wird für die betroffenen Patienten eine individuelle Bestrahlungsmaske angefertigt, um eine exakte Strahlenbehandlung gezielt durchführen zu können.

Je nach Ausmaß der Entzündung werden unterschiedliche Bestrahlungsdosiskonzepte angewendet, von

5 x 0,3 Gy/Woche bis 2,4 Gy Gesamtdosis bis hin zu

5 x 2,0 Gy/Woche bis 20 Gy Gesamtdosis.

Sehr seltene gutartige Erkrankungen

Weitere, sehr seltene gutartige Erkrankungen wie Desmoide,  symptomatische Wirbelkörperhämangiome, Induratio penis plastica, pigmentierte villonoduläre Synovitis und das Gorham Stout Syndrom sind ebenfalls Krankheitsbilder, die durch eine Strahlentherapie behandelt werden können. Auch hierüber geben wir in einem persönlichen Gespräch gerne Auskunft.

Therapie bei

gutartigen Erkrankungen.

 
 
 
 
 
 
 
 

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